Kathetereingriffe

Interventionelle Angiologie (Katheterbehandlung)

Seit der Radiologe Charles Dotter in den 60´er Jahren erste Gefäßaufdehnungen vornahm und der Internist Andreas Grüntzig in den 70´er Jahren die Aufdehnung (Dilatation) mit dem Ballonkatheter entwickelte, hat die Methode der perkutanen transluminalen Angioplastie (PTA) eine fulminante Entwicklung genommen. Hierbei wird durch die Haut in örtlicher Betäubung auf dem Weg durch die Blutgefäße eine Engstelle oder ein Verschluss mit verschiedenen Kathetermethoden beseitigt, um den Blutfluss wieder herzustellen.
KathetereingriffeDie Entwicklung der Kathetertechnik zu dünnen, schmalkalibrigen Systemen aus hochwertigen Materialien sowie eine große Bandbreite unterschiedlicher Techniken ermöglicht heute in erfahrener Hand auch komplizierte Gefäßeingriffe ambulant durchzuführen.
Durch Einbringen des Röntgenkontrastmittels über Katheter direkt in die Arterie und moderne Röntgentechnik mit digitaler Subtraktion, wobei der Hintergrund computergestützt aus dem Bild herausgerechnet wird, erzielen wir eine optimale Bildqualität auch bei schlechter Durchblutungssituation, kleinen Blutgefäßen und an schwierigen Stellen mit Überlagerung von Knochen oder Weichteilgewebe. Dargestellt und behandelt werden können somit

  • Halsschlagadern (A. carotis)
  • Schlagadern die den Arm versorgen (z.B. A. subclavia)
  • Die Hauptschlagader in Brust und Bauchbereich (Aorta)
  • Nierenschlagadern (A. renalis)
  • Darmschlagadern (Truncus coeliacus und A. mesenterica)
  • Becken- und Beinschlagadern (A. iliaca, A. femoralis, aber auch kleine Schlagadern am Unterschenkel)
  • Dialyseshunts

Dabei kommen zum Einsatz verschiedenste Katheter und Führungsdrähte, Ballonkatheter, Ballonkatheter mit Klingen, Drahtgeflecht oder Medikamentenbeschichtung (Cutting-, Scoring- oder Drugeluting Ballon), Absaugkatheter zum Entfernen von Blutgerinnsel, Gefäßstützen (Stents) und kathetermontierte Gefäßprothesen (Endoprothesen, Stentgrafts).
Die meisten Eingriffe werden an den Becken- und Beinschlagadern durchgeführt. Bei der Schaufensterkrankheit kann die schmerzfreie Gehstrecke verlängert werden und bei kritischer Durchblutungsstörung bei diabetischem Fußsyndrom oder Raucherbein kann die Katheterbehandlung Schmerzen beseitigen, Amputationen verhindern und letztlich die Lebenserwartung des Patienten verbessern.

Die Behandlung der Nierenschlagader dient dem Erhalt der Nierenfunktion aber auch der Behandlung eines hohen Blutdrucks, der durch eine Minderdurchblutung der Niere ausgelöst sein kann.

Die kathetergestützte renale sympathische Denervierung als moderne Behandlungsmethode des schwer beherrschbaren Blutdrucks, der therapierefraktären Hypertonie, führen wir unter stationären Bedingungen durch.

Durchblutungsstörungen des Darmes sind eine seltene, aber meist sehr ernste Erkrankung, wobei durch die Verbesserung der Durchblutungssituation Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme und Gewichtsverlust verbessert werden können.

KathetereingriffeDie Durchblutung des Armes und des Gehirns sind eng verknüpft, so dass bei Minderdurchblutung des Armes sowohl Schmerzen im Arm als auch Schwindelsymptome und sogar Bewusstseinsverlust auftreten können.

Seit 1999 führen wir Kathetereingriffe an der Halsschlagader zu Vermeidung von Schlaganfällen durch. Diese Methode war viele Jahre sehr umstritten, ist jedoch in jüngster Zeit auf dem Boden zunehmender wissenschaftlicher Erkenntnisse in vielen Fällen der Operation ebenbürtig. Aufgrund einer langjährigen Erfahrung haben wir hier eine niedrige Komplikationsrate, die sich in den Ergebnissen einer externen Qualitätssicherungsmaßnahme darstellt.

Bei der Behandlung der Erweiterung der Bauchschlagader (Aortenaneurysma) stellte die große offene Gefäßoperation jahrzehntelang die einzige Möglichkeit dar. Bei geeigneter Gefäßsituation ist jedoch heute das Einbringen von Endoprothesen (Aortenbifurkationsendoprothese, EVAR) mit Kathetermethoden möglich. Durch aufwendige Nahtsysteme kann dieser Eingriff sogar ohne größeren Schnitt in der Leiste in örtlicher Betäubung durchgeführt werden.

Die Gefäßmedizin hat in der Westpfalz Tradition. Der frühere Leiter der Abteilung für Angiologie des Westpfalz-Klinikums Dr. Kaiser hat sehr früh die wesentliche Bedeutung der Kathetereingriffe für Gefäßerkrankungen erkannt und die Basis für eine moderne Gefäßmedizin geschaffen. So war es möglich in der Abteilung für Angiologie im Westpfalz-Klinikum ein breites Spektrum von Kathetermethoden zu etablieren und jetzt auch in der Praxis anzubieten. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Abteilung für Angiologie und mit den gefäßchirurgischen Kliniken ermöglicht uns auch eine stationäre Behandlung anzubieten und sichert für unsere Patienten kurze Wege in der Planung eines Krankenhausaufenthaltes, sowie eine rasche und kompetente Notfallversorgung. Diese Partnerschaft ist durch die Bildung des „Gefäßzentrums Westpfalz“ abgerundet und zertifiziert.